Santiago Calatravas „80 South Street“

Gestapelte Penthouses in New York

80 South StreetDas wäre mal eine Skyline gewesen! Zwischen den ganzen „normalen“, wenig spektakulären Hochhäusern am East River in New York, wäre das Projekt „80 South Street“ ein absoluter Blickfang geworden. Wäre die Wirtschaftskrise nicht gewesen.

In 2003 wurde das 342 Meter hohe Gebäude, entworfen von Santiago Calatrava, zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert. Mit Hochglanzwerbung in der New York Times und Variety. Es hätte skulpturenhaft gewirkt, anstatt so klobig daherzukommen wie die üblichen Backsteingebäude der Metropole. Leicht und auch ein wenig gebrechlich scheinen die 12 jeweils vierstöckigen Kuben an einem Betonkern zu hängen – wie gestapelte und leicht versetzte Würfel. In den unteren acht Etagen sollte ein Kulturzentrum entstehen, dann wären zwei Würfel für Büroflächen vorgesehen, und die folgenden zehn Kuben wären ausschließlich dem Wohnen gewidmet gewesen. Wäre das Projekt eben nicht im April 2008 abgesagt worden.

Fürchterlich schade ist der Stopp des Bauwerks. Denn „80 South Street“ hätte endlich mal wieder die kreative Energie gezeigt, mit denen Architekten an ihre Arbeit herangehen. Anstatt sich immer nur in die schon gebaute Umgebung einzufügen, bedarf es auch mal ein Wagnis, das dann aber nicht mehr so schnell aus den Köpfen der Menschen verschwindet. Und New York hatte sich schon viel zu lange Zeit ausgeruht auf seiner Rolle als führende architektonisch-experimentelle Stadt. London, Barcelona oder Shanghai liefen dem Big Apple den Rang ab. Heute würde der Entwurf längst Realität sein – und das schon ganze drei Jahre lang. Vom Fulton Ferry Park in Brooklyn würde die Skyline New Yorks sehr viel interessanter aussehen – und mit dem benachbarten, gerade fertig gestellten „Beekman Tower“ von Frank Gehry (auch genannt „8 Spruce Street“) architektonische Akzente setzen.

SkyboxDie Bauunternehmer mussten Anfang 2008 zugeben, dass sie keinen einzigen der zwölf Kuben verkauft hatten. Dabei hieß es anfänglich in großen Tönen, dass man schließlich nur zwölf bis 24 Besitzer weltweit finden müsste. Diese hätten jedoch eine Summe zwischen 29 bis 59 Millionen US-Dollar auf den Tisch legen müssen für ihr Traumapartment im Himmel. Für das Geld hätte man dann auf 960 qm leben dürfen, mit einer Terrasse und Pool. Die vier Etagen eines Kubus hätten die Bewohner alleine bewohnt – oder höchstens geteilt. Im schlimmsten Fall also zwei Stockwerke für jeden. Das zu der Zeit teuerste Domizil Manhattans hätte natürlich nur eine sorgfältig auserwählte Klientel als „Zuhause“ bezeichnen dürfen. Aber mit der Architektur ist es so wie mit Manolo Blahnik Schuhen – man findet gefallen daran, oder eben nicht. Und die unsichere wirtschaftliche Immobilienlage der Stadt hat sein Übriges dazugetan. Kein einziger Käufer – das definitive Aus für die schwebenden Boxen im Big Apple. Auf der Homepage des gestorbenen Projekts steht übrigens nur noch ein Satz: „Thank you for visiting“. Aber wie sich heute zeigt: jedes Ende ist trotzdem ein Anfang von etwas Neuem. Nämlich, trotz allem, für außergewöhnliche Wohnprojekte in Manhattan.

[via: wired new york]

 

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