Downtown Dubai

…Traum und Wirklichkeit

Dubai hatte eigentlich mal alle Voraussetzungen, um tatsächlich zur begehrtesten Metropole der Welt zu werden. Um mit Paris, London, New York und Tokio zu konkurrieren. 365 Tage Sonnenschein im Jahr, weiße Strände, glamouröse Partys, teure Autos auf den Highways und luxuriöse Wolkenkratzer, die wie Pilze aus dem Boden schossen. Eine neue Heimat für Superreiche, die sich einen solchen Lebensstil leisten konnten und wollten. Eigentlich eine erschaffene Traumwelt, mit Entwicklungen, die vor Größenwahn strotzten. Immer sollte alles besser, höher, teurer sein als anderswo auf der Welt. Und jahrelang lebten die Scheichs ihre Vision.

Dann kam die Wirtschaftskrise und auch die traurige Wahrheit ans Licht. Von heute auf morgen pleite – und mittlerweile unterstützt durch das Nachbaremirat Abu Dhabi. Damit hatte niemand gerechnet, oberflächlich bewahrte die Stadt von Welt lange Zeit tapfer seinen glitzernden Schein. Dann ging alles rasend schnell. Nur in die umgekehrte Richtung – bergab. So schnell wie die Gastarbeiter aus Indien, Ägypten und Pakistan nach Dubai auf die unzähligen Baustellen geholt wurden – so schnell wurden sie nun wieder aus dem Land befördert. Absoluter Baustopp, und zwar für fast alle Projekte. Nur das Prestigeprojekt der Scheichs wurde weitergebaut. Der Stolz des ganzen Landes und das neue Wahrzeichen: der „Burj Khalifa“ (zuerst getauft in Burj Dubai).

Blick vom Burj DubaiAls höchster Turm der Welt – immerhin über 800 Meter – wirft er seinen Schatten auf die umliegende Stadtentwicklung namens „Downtown Dubai“. Dazu gehört auch die „Old Town“, mit niedrigen Wohnbauten im arabischen Stil. Von der Aussichtsplattform auf der 124. Etage des monströsen Wolkenkratzers sieht die darunterliegende Stadt aus wie ein Miniaturmodell.

Straßenzug The Old TownKinderkarussell The Old TownGeht man aber unten durch ihre Straßen – und zugegeben, alles ist wirklich liebevoll angelegt mit Grünzügen, einem historischen Kinderkarussell auf dem Gehweg und kleinen Gassen, die den Bewohnern den Zugang zu ihren Apartmentblocks ermöglichen – dann bemerkt man unweigerlich: Niemand kommt einem entgegen. Und das liegt nicht an den heißen Temperaturen der Wüstenstadt. Es ist einfach zum größten Teil unbewohnt. Nachdem die Menschen während der Wirtschaftskrise regelrecht aus dem Land flüchteten, herrscht nun ein Überschuss an Wohnraum. Hier und da sieht man Stühle auf den Balkons, nachts leuchten auch ein paar Fenster in den Nachthimmel hinaus. Aber die meisten der Wohnungen sind noch zu haben. Fragt sich nur, wer heute noch interessiert ist an den hinteren Gebäudereihen: Dort, wo man nicht auf den Burj Khalifa schaut, sondern auf „Dubai Business Bay“. Denn auf der Großbaustelle tut sich gar nichts mehr. Vereinzelte Wolkenkratzer sind fast fertig, der Rest der Stadtplanung verendet im Rohbau und wird auch in Jahren noch als Ruinenlandschaft den Wüstensand verzieren.

The Old Town IslandThe Old TownGlücklich ist somit derjenige, der direkt mehr Geld investiert hat für die richtige Lage, also mit Blick zum Wahrzeichen der Stadt. Vor dem eigenen Fenster schaut man dann wenigstens nicht auf Betonwände im Sand. Und es gibt noch weitere Vorzüge: Nachbarschaftsstreit dürfte in Dubai mittlerweile auch kein Thema mehr sein. Und purzelnde Mietpreise für die vorher vollkommen überteuerten Gebäude? Die werden mit einem Lächeln quittiert…

[Bilder: Angélique Vossnacke]

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