„Palazzo Chupi“ im West Village

Venedig grüßt New York

Palazzo ChupiÜbersehen kann man Julian Schnabels Architektur beim besten Willen nicht: Ein alter Mauerwerksbau ist seit 2008 regelrecht besetzt von einem „pinken Bonbon“ – einer Aufstockung im Stil venezianischen Designs, definitiv etwas fehl am Platze. Ein italienischer Palast, es wirkt so, als wäre er von Europa über den Atlantik gebracht worden, als hätte er den Hudson River überquert und wäre im West Village gelandet, auf dem Dach des vierstöckigen Industriegebäudes. „Barbies Traumhaus, das eher an den Strand von Malibu passen würde“, so lästern böswillige Zungen über den Protzbau mit der auffallenden Farbe.

Früher befanden sich  in den unteren Etagen Pferdeställe, später dann auch eine Parfumfabrik. Julian Schnabel lernte das Gebäude 1987 schätzen, als er einen Raum als Arbeitsort mietete. Hier saß der Künstler an seinen Gemälden, formte Skulpturen, entwarf Möbel und brütete über seinen Filmideen. Zehn Jahre später kaufte er das gesamte Gebäude und entwarf in Zusammenarbeit mit Hut Sachs Studio ein Konzept für einen Aufbau, in dem unter anderem er selbst mit seiner Familie wohnen wollte.

Entstanden ist ein pinkfarbener Prachtbau, ein wenig kitschig und vor allem provozierend. Seine Nachbarn demonstrierten anfangs gegen die Pläne des selbstüberzeugten Künstlers. Eine Chance hatten sie nicht – Ende 2005 fingen die Bauarbeiten an. Mittlerweile staunen nicht nur die Bewohner über das Gesamtkunstwerk. „Ah“ und „Oh“ hört man auch von den vielen architekturbegeisterten Schaulustigen.

Palazzo ChupiDie sieben aufgesetzten Stockwerke werden durch insgesamt 180 Fenster mit Tageslicht erhellt und erinnern durch ihre Fensterrasterung an das Industrieflair vergangener Tage. Säulen und Rundbögen umranden die Balkone, Balustraden aus Bronze zieren die rückseitigen Veranden und die Treppengeländer. Ziegel aus Marokko, Lehm aus Kalifornien und Terrakotta aus North Carolina sind die primären Materialien, die der Künstler gekonnt mixt. Die extrem dicken Innenwände (50 cm bis 1,20 Meter) garantieren eine absolute Stille. Überall hängen Kronleuchter. Zum Schwimmen oder zum Kunst bewundern gehen die Bewohner in die unteren Etagen, dort befinden sich Pool und Galerie.

Der Neubau hat alles, was die Reichen zum „larger-of-life-feeling“ brauchen. Bei der Prominenz ist dieses an historische Bautradition angelehnte Kunstwerk beliebt: Angeblich bewohnt Richard Gere eine gesamte Etage. Wer die anderen vier Wohnungen als Zuhause bezeichnet, ist unbekannt. Jedenfalls sollen sowohl Madonna als auch Bono und Johnny Depp Interesse an den Apartments gezeigt haben. Aber es scheint so, dass sowohl Duplex als auch Triplex (mit 357 qm) noch zu haben sind. Letzteres fiel der Wirtschaftskrise zum Opfer: In 2008 fiel der Kaufpreis des Triplex von 32 Millionen Dollar auf 22 Millionen, aktuell liegt der Wert noch bei 13 Millionen. Trotzdem ist kein Käufer in Sicht – aber Pink mag nun mal auch nicht jeder.

Die Namensgebung, „Palazzo Chupi“ – für jedermann sichtbar an der Front angebracht – hat übrigens einen persönlichen Hintergrund. „Chupi“ ist der Spitzname von Julian Schnabels Frau Olatz. Wer das nicht weiß, denkt aber aufgrund der exzentrischen Farbgebung wohl eher an einen Lolli von Chupa-Chups.

[via: Vanity Fair]

[via: Palazzo Chupi]

[Bilder: Angélique Vossnacke]

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