Gestatten, Bond Street New York

Die Elite von Noho residiert

Bond Street New YorkNur zwei Straßen entfernt vom New Museum of Contemporary Art liegt die Bond Street. Man fühlt sich auf einmal zurückversetzt ins 18. Jahrhundert, Kopfsteinpflaster bestimmt das Straßenbild und alte englische Taxis (mit neuem Anstrich) kreuzen langsam die Fahrbahn. Würden Pferdekutschen den Weg passieren, wäre man wohl wieder im Zeitalter der Astors und Vanderbilts angelangt.

Die namhaften New Yorker Familien verhalfen dem Noho District zu seinem frühen Ruhm. John Jacob Astor errichtete um 1825 eine breite Straße, die Lafayette Place getauft wurde. In diesem Gebiet baute Astor auch den eigenen herrschaftlichen Wohnsitz. Die Familien Vanderbilt und Delano folgten. Die Gegend begann sich zu verändern, Industriegebäude entstanden in den Straßen rund um den Lafayette Place. Das Gewerbe entdeckte neue Technologien um Eisen zu bearbeiten – architektonisch ein riesiger Fortschritt. Das Verhältnis von Fassadenanteil zu Fensteröffnung veränderte sich – viel größere Öffnungen als früher erlaubten nun eine regelrechte Durchflutung der Räume mit Tageslicht. Architektonisch war Noho auf dem Vormarsch: von Beaux Arts über georgianische Fassaden, romanischer Rundbogenstil bis hin zu Barock, der Stadtteil vereinte schon damals vielfältiges Design. 1960 ging es bergab, die Industrie stagnierte, die Gegend entwickelte sich zum verlassenen Slum. Als die Künstlerszene das Gebiet kurze Zeit später für sich entdeckte wurden die Gewerbebrachen zu Lofts umfunktioniert, in denen gewohnt und gearbeitet wurde. Nach den Künstlern kamen die Gallerien, dann Theater, Restaurants, Clubs und Boutiquen.

Heute sieht es immer noch ähnlich aus in Noho. Vor allem in der Bond Street stehen gusseiserne Fassaden neben metallenen Neubauten, hängen notwendige Feuerleitern neben überflüssigen Dekoelementen. Nach wie vor geht es in der Bond Street recht ruhig zu – das exklusive Wohnflair ist spürbar.

40 Bond Street Ansicht40 Bond Street EingangSeit 2008 ist die „40 Bond Street“ der auffälligste Neubau in der Straße, gebaut von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron. Auf elf Etagen befinden sich 23 loftartige Wohnräume, ein dreistöckiges Penthouse (für 10 Millionen Dollar gekauft vom Bauherr selbst, dem Hotelier Ian Schrager) und fünf Townhouses, die sich ebenfalls über drei Etagen erstrecken. Ein glänzender Aluminiumzaun, der in seiner Formgebung an Graffitis erinnert, grenzt die zurückspringenden, eigenen Hauseingänge der Stadtwohnungen vom Bürgersteig ab. Auf den Metallpaneelen der unteren Fassade wiederholt sich die Ornamentik der Mauer. Die Pfosten-Riegelfassade der oberen Geschosse ist mit einer grün-bläulichen Emailebeschichtung versehen und erinnert in seiner Gestaltung an die historischen Nachbargebäude aus Gusseisen.

25 Bond StreetDirekt  gegenüber der Hausnummer 40 befindet sich „25 Bond Street“, entworfen vom Architekturbüro BKSK. Auf dem Grundstück befand sich vorher eine Parkgarage, seit 2007 wird hier gewohnt. Auf acht Geschossen leben lediglich neun Eigentümer – in einem Gebäude, das mit seiner leicht hervortretenden Kalksteinfassade die Blicke auf sich zieht. Auf der Rückseite treffen sich die Bewohner zum Grillabend im großen Gemeinschaftsgarten, denn eigene Freiräume gibt es nicht. Platzmangel herrscht trotzdem nicht – jedes Apartment bietet ungefähr 350 qm Platz.

[Bilder: Angélique Vossnacke]

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