Dakota und San Remo – Zoff auf der Upper West Side

Man sollte meinen, wer zuviel Geld hat und wer sich in New York die schicksten und größten Wohnungen leisten kann – der sollte sein Leben eigentlich in vollkommener Zufriedenheit genießen können. Falsch gedacht. Streitereien stehen auch in der Schickeria-Welt an der Tagesordnung – und besonders gerne streitet man sich, wenn es ums Thema Wohnen geht.

Dakota Building

New York ist gerade das jüngste Beispiel. One West 72nd Street – eine legendäre Adresse mit namhaften Bewohnern. Hier steht das Dakota Building. Schon vom Central Park sieht man die drei spitzen Giebel – das Gebäude, im französischen Baustil, wurde 1884 von Henry J. Hardenbergh gebaut. Die bis zu 20 Zimmer großen, millionenteuren Apartments bezogen berühmte Persönlichkeiten wie Judy Garland oder Lauren Bacall. Zur Legende wurde das Gebäude am 8. Dezember 1980, als Beatles Sänger und Dakota-Bewohner John Lennon von einem Attentäter vor dem Haus erschossen wurde. Dessen Frau Yoko Ono wohnt auch heute noch im Dakota.

Eigentumswohnungen sind in New York meist Genossenschaftswohnungen. Das heißt, das dem Wohnungseigentümer nicht seine Wohnung, sondern nur ein Anteil am Gebäude gehört. Zusätzlich zur Hypothek zahlt er im Monat außerdem horrende Mietpreise für die „Doormen“, Hausmeistergebühren und Reparaturkosten. Ein kommunistisches Zentralkomitee herrscht über die Genossenschaft – das sogenannte „Board“. Dieses Komitee entscheidet darüber, wer ins Haus einziehen darf (Celebrities haben es meist schwer – Paparazzi werden vor der Haustür nicht gerne gesehen), welche Wünsche der Bewohner umgesetzt werden, oder welche Wünsche abgelehnt werden. Am Wichtigsten ist jedoch der Blick in die persönliche Finanzlage des Bewohners oder Interessenten. Aber kommen wir zum Problem:

Alphonse Fletcher Junior, erfolgreicher Wall Street-Mann, hat es immerhin geschafft, ins Dakota einziehen zu dürfen. Nun wollte er aber eine zweite Wohnung hinzukaufen und eine Wand einreißen, um die beiden Apartments miteinander zu verbinden. Das „Board“ lehnte den Wunsch ab – Begründung: zu geringe finanzielle Mittel. Man sollte wissen, Alphonse ist von schwarzer Hautfarbe. Was kein Problem sein sollte, nachdem Präsident Johnson 1964 den „Civil Rights Act“ unterschrieben hat – Diskriminierung ist in den USA tabu. Aber Alphonse fühlt sich diskriminiert. Und stützt sich auf Gerüchte: das „Board“ soll auch einen von hispanischer Herkunft abstammenden Interessenten und seine Ehefrau abgewiesen haben. Und es kommt noch schlimmer: das „Board“ soll auch Witze gerissen haben, dass man es nicht hätte dulden können, wenn dieser Mann von seinem Fenster im Erdgeschoss Drogen an die Passanten verkauft hätte. In diesem Falle wurde gewitzelt über Antonio Banderas und Melanie Griffith. Rassismus hinter der feinen Adresse auf der Upper West Side. Alphonse jedenfalls verklagt das „Board“. Zu dem (angeblich) auch seine eigene Mutter gehört, was die Tatsache in ein noch mysteriöseres Licht taucht. Aber: Alphonse riskiert was! Auf das Ergebnis sind wir gespannt. Es ist jedenfalls nicht wieder so eine langweilige Geschichte wie der Promi-Nachbarschaftsstreit, der in 2007 durch die Presse ging. Nur zwei Blocks weiter vom Dakota, in den beiden Türmen des altehrwürdigen San Remo Gebäudes, geriet Bono mit seinem Nachbarn Billy Squier in Streit – weil Rauch von Squiers Kamin in Richtung Bonos Duplex-Penthouse aufstieg. Geld spielt bei Nachbarschaftsstreitereien also keine Rolle. Das ist genauso, wie wenn in Berlin-Marzahn die Mieter anfangen, auf ihren Balkonen zu grillen und sich dann herrlich angiften. Nur dass sowas nicht groß in der Zeitung abgedruckt wird. Zu unwichtig. Es kommt eben doch auf den Namen an.

[via: welt online; Bild: Angélique Vossnacke]

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