Dubais Stern hat ausgefunkelt

Tausend und eine Nacht, nur noch ein Märchen

Dubai Ruins, Jonas de RoAuch wenn ich ein großer Fan von Dubai bin – wo sonst gibt es so viel Sonne, wo sonst kann man sich im Schein einer Glitzerwelt verlieren, wenn nicht im arabischen Emirat – selbst ich muss schweren Herzens langsam begreifen, dass Dubais Zukunft wohl kaum so wird, wie man es sich erträumt hat. Das Stadtbild, das sich vor wenigen Jahren in meinem Kopf festgesetzt hat, dank dutzender Hochglanz-Werbeprospekte, wird zu größter Wahrscheinlichkeit wohl nur eine Traumwelt bleiben – schillernd, glänzend, ohne Probleme. Die Metropole, die rasant aus der Wüste gestapft wurde, steht nun unvollendet still. Bis auf weiteres. Ein paar aktuelle Fakten:

Im Februar berichtet Spiegel Online vom „Untergang der Welt“. Das Projekt „The World“, 270 künstlich aufgeschüttete Privatinseln in Form einer Weltkarte vor Dubais Küste, beginnt langsam, im Meer zu versinken – die Fahrrinnen zwischen den Erdteilen werden von der zuständigen Baufirma Nakheel nicht mehr ausgebaggert, die Inseln verschwinden langsam von der Weltkarte. Niemand wollte dort investieren, außer ein österreichischer Investor. Er hat insgesamt sechs Inseln für 840 Millionen Dollar gekauft – die Insel „Montecarlo“ sollte im letzten Jahr eröffnet werden – eine Insel nur für Erwachsene. Mit Bars, Bikini-Beaches und Nachtclubs. Gebaut ist bisher nichts, die Erwachsenen müssen weiter auf ihre ausgelassene Partyinsel warten.

Im Landesinnern sieht die Zukunft gleich trist aus: Eine ausführliche Recherche der FAZ im Dezember letzten Jahres schildert, dass „Dubailand“, der auf hundertvierzig Quadratkilometern geplante Entertainmentpark, ebenfalls ruht. Heißt im Klartext: kein größtes Riesenrad, keine größte Indoor-Skipiste, kein olympiatauglicher Sportkomplex, auch kein Nachbau des Eiffelturms, des Taj Mahal, der Cheops-Pyramide, des Schlosses Neuschwanstein, der Chinesischen Mauer, der „Titanic“. Und keine dutzend neue Wohn- und Bürowolkenkratzer. Besonders traurig: Noch heute kann man an der Emirates Road mitten im Wüstensand das Planungsmodell von „Dubailand“ bewundern – und eine überdimensionierte Werbepappwand, die Hoffnung macht auf Achterbahn, Mondrakete und Lego-Elefanten – mittlerweile durch die heiße Luft allerdings verblasst und mit rostigem Gerüst.

Und das Prestigeprojekt, der Burj Khalifa? Die Gulf News hat Ende letzten Jahres herausgefunden, dass von 900 Luxusapartments 825 leer standen. Und auch wenn angeblich chinesische Firmen gerade in der Krisenzeit angefangen haben, in Dubai zu investieren, frage ich mich nur: Dubai, wo sind deine Visionen hin? Ein zweiter Boom wird wohl kaum folgen. So scheint die Illustration „Dubai Ruins“ von Jonas de Ro nicht so ganz abwegig – Dubai als zerstörte Weltmetropole, ein Horrorszenario.

Aber was für Einwohner und Expatriats, die bis heute Dubai treu geblieben sind, eine dramatische Entwicklung ist – denn glaubt man den Zeitungen, geht die Stadt bald in Ruinen unter – ist für Touristen ein Glücksfall. Die Strandhotels sind so idyllisch wie zuvor, die Probleme bleiben außen vor, hier kann man sich noch in die heile Welt zurückziehen (es sei denn man hat ein Zimmer mit Blick auf „The Palm Jumeirah“ – da gibt`s zwar keinen Baulärm, aber dafür hässliche Rohbauten zu bestaunen). Und die Preise sind rapide gesunken. Das Schnäppchen von heute war der Luxus von gestern.

[Bild: „Dubai Ruins“, ©Jonas de Ro]

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