Dubai – verlassen und verwildert

Fotoserie „Abandoned“ von Richard Allenby Pratt

1Glitzernd. Strahlend. Schimmernd. Künstlich. So kennen wir Dubai, immer sonnig und Symbol für außerordentlich viel Geld und damit Macht, ein Abbild absoluter Zufriedenheit und grenzenlosem Glück. Doch die Stadt hat es schwer, diese Vision auch aufrechtzuerhalten. Von rasanter Stadtentwicklung und immensen Reichtum waren alle überzeugt. Bis es 2008 die Wirtschaftskrise gab, die Menschen das Land verließen, ein Dutzend teure Autos am Rande der Straßen abgestellt wurden und die Baukräne aufhörten, sich auf den Wolkenkratzern zu bewegen. Stillstand, Pleite, damit hatte niemand gerechnet.

2011 zeigte Jonas de Ro in seinem Bild „Dubai Ruins“ den von der Natur überwucherten Stadtteil Downtown Dubai. Vielleicht ein wenig zu viel Horrorszenario, etwas zu unrealistisch. Trotzdem nicht ganz abwegig. 2012 folgte eine weitere Fotoserie, diesmal vom britischen Dokumentarfotografen Richard Allenby-Pratt. „Abandoned“ – verlassen. Diese Fotos sind viel näher an einer möglichen Realität, einem Katastrophenszenario, das hoffentlich niemals eintritt. Richard Allenby Pratt legte den Fokus auf Natur – und wilde Tiere. Wilde Tiere, die ihren natürlichen Lebensraum wiedererobern und die Kunststadt für sich vereinnahmen. Da wütet der Pfau im verlassenen Pool vor den Jumeirah Beach Residences, oder man entdeckt einen einsamen Puma, der durch die vollkommen kaputte Badelandschaft eines Madinat Hotels streunt. Da befinden sich Hyänen vor den Mauern eines nicht fertiggestellten Wohngebiets und ein Känguru hüpft allein im Business Bay District. Manchmal muss man die Tiere erst auf dem Foto suchen, so klein sind sie. Das zeigt den Gigantismus Dubais aus einer noch nie dargestellten Perspektive. Zumal man wissen sollte, dass viele dieser wilden Tiere tatsächlich in Dubai leben – und momentan von den Reichen als „Haustiere“ gehalten werden. Wenn die Einwohner Dubais also erst mal weg sind und die Tiere aus ihren Käfigen entkommen….2

345Gut, dass das alles nur Szenarien sind. Aber weil Dubai eben die Stadt der Künstlichkeit ist, fällt es so leicht, diesen Bildern Glauben zu schenken. Trotzdem: Heute befindet sich Dubai wieder im Aufschwung. Downtown Dubai wird jeden Tag überbevölkert, wenn die Touristen die „Dancing Fountains“ vor dem Burj Khalifa bewundern wollen – dem nach wie vor höchsten Gebäude der Welt. Seit Ende 2012 drehen sich die Baukräne wieder. Viele Projekte stehen derzeit nach langem Stillstand kurz vor der Fertigstellung, z.B. die „Balqis Residences“ auf der Palme. Sogar der Beach Club auf der Welt ist bereits eröffnet worden, die einzige vollendete Insel, neben dem Mustereiland. Und um die nun vergrabenen Projekte, wie die beiden anderen Palmen oder „Dubai Waterfront“ wieder wettzumachen, haben die Scheichs auch schon Visionen für neue Megaprojekte. Bald soll hinter den Hochhäusern der Jumeirah Beach Residences das „Bluewaters Project“ entstehen. Mit dem „Dubai Eye Wheel“ – ähnlich dem London Eye, nur mit Strandlage. Im November letzten Jahres wurde bekannt, dass Dubai die Stadt der Expo 2020 wird. Gut möglich also, dass die Preise für Wohnungen 2014 um 10 bis 15% steigen werden – wie die Immobilienconsultants von Knight Frank voraussagen. 6

78[via: greenprophet.com; Copyright Fotos: Richard Allenby-Pratt]

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