NEO Bankside & One Hyde Park

Londoner Wohnkultur-Ikonen von Rogers Stirk Harbour + Partners

Neighbourhood_01Fünf Türme mit orangfarbenen und roten Fassadenflächen setzen einen deutlichen Akzent in der ansonsten eher grauen Londoner Skyline. Der neue Komplex mit Namen NEO Bankside besteht aus vier Hochhäusern zum Wohnen und einem Büro-Wolkenkratzer. Bereits 2012 wurden die 12 bis 24-stöckigen Gebäude vom Architekturbüro Rogers Stirk Harbour + Partners fertiggestellt.

Auf den ersten Blick wird klar: Hier wohnt kein Normalverdiener. Die Lage ist Gold wert, direkt an der Themse und mit dem Tate Modern Museum als Nachbarn. Eine 250 qm große Wohnung wurde im letzten Jahr für rund 4,9 Millionen Pfund angeboten, die kleineren Wohnungen starten bei 2,5 Millionen Pfund und ein paar sind noch zu haben. Dafür gibt es selbstverständlich allen erdenklichen Luxus, mit dem das Premium-Wohnsegment heutzutage so punkten muss. Vom Day Spa und Gym über den 24-Stunden-Concierge bis hin zum „Lifestyle Management Service“. Highlight der Wohnungen selbst sind die rundum verglasten und Wintergärten, die an den Ecken der Gebäude liegen und komplett öffenbar sind. Und keine Frage, die Stahl- und Glasarchitektur bietet auch im Innenraum klare Vorteile. Zum Beispiel eine höchst offene und individuell gestaltbare Raumaufteilung, die nur möglich war aufgrund des prägnanten äußeren Stahlskeletts. Denn dank der Rahmenkonstruktion wurden tragende Wände in den Wohnungen selbst auf ein Minimum reduziert.

NEOWEB_1280X768_Gallery_Architecture-P102NEOArchitecture02Apartments_Type-F-4Außerdem orientierte sich Richard Rogers an einem neuen Trend. Die neue Lebensform für Superreiche heißt: „Gated Community Goodbye“, her mit den offenen und transparenten Wohnformen für die Reichen, ohne Abschirmung und störende Mauern – Extrovertiertheit von Kopf bis Fuß sozusagen. Denn erst die Mauern verstärken den neidischen Blick der Armen und Otto-normal-Verbraucher. Und die Reichen fühlten sich abgeriegelt und verloren noch mehr den Bezug zur normalen Welt ringsherum. Das Konzept von NEO Bankside setzte auf die offene Gestaltung, sodass auch in den unteren Etagen kein Blick auf die Themse verbaut wurde. Gillespies Landschaftsarchitekten überlegten sich einen wild bepflanzten Garten mit stringenten Wegen, die zu den Eingängen führen. So wird die Öffentlichkeit eingeladen, das Grundstück zu jeder Zeit zu betreten. Anders ginge es auch gar nicht, da das Erdgeschoss unter anderem auch das angesagte Restaurant Albion beherbergt und weitere Ladenflächen bereithält. Und gleichzeitig bemerken die Besucher durch Materialwechsel oder Kollonaden, dass sie sich auf einem Pfad für „Residents Only“ befinden. Eine gute und vor allem funktionierende Lösung, die bereits mit mehreren Preisen bedacht wurde. NEO Bankside bietet eben Regenerationsraum für alle, für Besitzer in ihren Wohnungen und für Gäste im öffentlichen Garten.

landscaping07NEOWEB_1280X768_Gallery_Architecture-P3Seit Monaten wird jedoch der Bauboom in London scharfsinnig beäugt und in diversen Artikeln immer wieder infrage gestellt. Kritiker, die an Londons alten Werten und viktorianischer Architektur festhalten, befürchten seit Langem, dass die englische Metropole ein zweites Dubai oder Hong Kong werden könnte. Denn immerhin befinden sich aktuell allein rund 200 Bauprojekte mit über 20 Stockwerken im Bau oder in der Planungsphase. Die meisten von ihnen auf der Südseite der Themse, wie eben auch NEO Bankside.

London ist beliebt, vor allem bei ausländischen Investoren. In erster Linie wegen der recht stabilen Regierung und verlockend geringen Steuerbelastungen. Aus Ländern mit schnell wachsender Wirtschaftskraft strömt Kapital nach London, 2012 wurden Luxuswohnungen im Wert von geschätzten 8 Milliarden Pfund erworben. Von Nicht-Briten.Und zwar ohne Kredit- oder Hypothekenfinanzierung. Die Immobilie in London, das neue Statussymbol der Reichen. Selbst wenn sie fast nie daheim sind und ganze Straßenblöcke verwaist wirken. So zum Beispiel auch One Hyde Park, der teuerste Wohnkomplex im Stadtteil Knightsbridge, der wie leer wirkt und ebenfalls von Rogers Stirk Harbour + Partners realisiert wurde.

one hyde park1one hyde park2Hier hat ein Käufer den Preis von umgerechnet 85.000 Euro pro Quadratmeter hingelegt – 36 Millionen insgesamt für seine Wohnung. Dafür war das neue Zuhause immerhin bezugsfertig mit Fendi Möbeln eingerichtet und platinveredelten Wasserhähnen. Und noch ein anderes Feature gibt es in diesem gläsernen Wohnkomplex. Die Bewohner können nämlich in Ruhe schlafen, egal ob sie daheim sind oder unterwegs. Einbrecher haben kaum eine Chance. Hier wurde kugelsicheres Glas verwendet. Das ist doch einfach unbezahlbar.

[Bilder: neobankside.com; onehydepark.com; rsh-p.com; via: “Das Geisterhaus” von Stephen Armstrong, SZ-Magazin 09/2014]

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