Vom Bachelor, dem Playmate und Architektur

Ausstellung „Playboy Architecture 1953 – 1979“ im DAM

1Was hat die Zeitschrift Playboy mit Architektur zu tun? Mehr, als man im ersten Moment denkt. Früher zumindest. Denn zwischen den 50ern und späten 70ern gab sich der Erfinder des „Playboy“, Hugh Hefner, alle Mühe, dem Mann die Welt des Designs näherzubringen. So erschuf er die Wohnwelt des modernen Mannes geradezu neu: eine Utopie für den Junggesellen. Nach Hugh Hefner ist der moderne Junggeselle ein weltoffener Kosmopolit, der sich in der Großstadt wohlfühlt und nichts mehr fürchtet als Langeweile. Aber sein Leben findet im Innern statt: in seinem hippen „Bachelor Pad“, oder, wenn er dann doch mal einen Fuß vor die hauseigene Tür setzt, im glamourösen Playboy Club. Mal fliegt er auch von Weltstadt zu Weltstadt, am liebsten im Playboy Big Bunny-Jet. Oder er düst mit dem coolen Riesen-Wohnmobil, der „Playboy Land Yacht“ über die Straßen. Eine herrliche Welt für den Mann. Eine Welt, in der nur er allein im Mittelpunkt steht. Mit einer Junggesellenbude, die alle Wünsche erfüllte: Cool, modern, zeitlos, exklusiv – einfach atemberaubend. Eine Wohnung, in der sich die Frauen wie von selbst verführen ließen. Eine Wohnung, in der die Frau vor allem nur Nebensache war. Und leicht austauschbar. Ein grandioses Leben!2Hefner Flies In

Erst der Genuss eines Cocktails an der hauseigenen Bar, dem Cool Jazz aus der ultraneuen Hi-Fi-Anlage lauschen, während Frau sich galant im Eero Saarinen Stuhl rekelt. Dann ein bisschen entspannen im Whirlpool. Der befindet sich natürlich auf der riesigen Dachterrasse des Penthouses mit Blick auf die glitzernde Skyline. Dann weiter ins Schlafzimmer. Hier wartet ein rundes Bett mit allen Annehmlichkeiten, die gesamte Elektrik im Haus ist vom Bett aus steuerbar – und, wenn nötig, kann man auch noch den Vibrationsmodus anschalten. So knackte der Bachelor also sein Bunny, damals.

Die Zeichnungen sind nicht in die Realität umgesetzt worden, die Zeitschrift lieferte dem männlichen Leser trotzdem innovative Ideen – der Playboy wurde zur Stilbibel des Junggesellen. Und ohne Zweifel hat sich Hugh Hefner mit seinen Privatvillen sein eigenes, echtes und dabei doch „traumhaftes“ Playboy-Reich geschaffen. Die Liebesgrotte in seiner eigenen Mansion in Los Angeles ist weltbekannt. Und das Foto, das ihn als jungen Herausgeber seiner Zeitschrift arbeitend auf seinem runden Bett zeigt, ist vielfach publiziert worden. Hugh Hefner liebt Design und Architektur und präsentierte im Heft immer wieder ausführliche Interviews mit den Stars der Szene: Buckminster Fuller, Mies van der Rohe, Frank Lloyd Wright, Charles und Ray Eames. Um nur einige zu nennen.456

Wer sich die Zeichnungen zum Penthouse Apartment (1956), zur Playboy Town Villa (1962), zum aufblasbaren Bubble House (1972) oder zu den wahrgewordenen Playboy-Villen wie das Elrod House von John Lautner und noch viel mehr anschauen möchte, kann sich die Ausstellung bis zum 20. April im DAM Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt anschauen. Absolut sehenswert!7

8[Bilder von oben nach unten:
Bunny Chair, ca. 1971 Playboy, Designer, Playboy, Oktober 1971 \\ © Playboy Enterprises International, Inc., via: DAM;
Das Playboy Townhouse, Architekt: R. Donald Jaye, Zeichnung: Humen Tan, Playboy, Mai, 1962, S. 84-87 \\ © Playboy Enterprises International, Inc., via: DAM;
Hugh Hefner, his girlfriend Barbi Benton, and the Playboy DC 9 jetliner are welcomed to Heathrow Airport, 1970, © Central Press/Getty Images, via: gizmodo.in;
Hugh Hefner auf seinem runden Bett, via: palladio.nl;
Bubble House, DAM Austellung, © Angelique Vossnacke;
Elrod House, Playboy Pad-Pleasure on the Rocks © Playboy Enterprises International, Inc., via: detail.de;
Ausstellung “Playboy Architecture”, DAM, © Uwe Dettmar, via: detail.de;
Ausstellung “Playboy Architecture”, DAM, © Angelique Vossnacke]

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