Tempel in Hollywood

Aline Barnsdall`s Hollyhock House wiedereröffnet2

Als in der Valentinsnacht das historische Hollyhock House nach 6-jähriger Renovierungszeit wiedereröffnete, kamen mehrere Tausend Besucher, um das Haus zum ersten Mal bei Nacht von innen erleben zu können. Das Hollyhock House ist eines der bekanntesten Privathäuser in Los Angeles und liegt am Fuße des Hollywood Schriftzugs in den Hollywood-Hügeln.3
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Aline Barnsdall, amerikanische Öl-Erbin, kaufte sich 1919 das 140.000 qm große Grundstück und erschuf sich ihren Traum einer privaten Tempelanlage – ein ungewöhnliches Haus für eine selbstbewusste Frau. Aline Barnsdall war Feministin und Philanthropin durch und durch. 1917 wurde sie ganz nach ihren Wünschen zur alleinerziehenden Mutter einer Tochter. Aline Barnsdall hatte sich immer gegen einen Mann entschieden – für die damalige Zeit ein Skandal. Sie war Kunstsammlerin und hatte ein eigenes FBI-Dossier. Außerdem wählte sie die Theaterbühne als ihren Arbeitsort. Deswegen auch der Wunsch an den Architekten, einen Campus für avantgardistisches Theater zu verwirklichen, neben ihren eigentlichen Privaträumen. 1923 beauftragte Aline Barnsdall den Architekten Frank Lloyd Wright, das Gebäude zu planen. Es war sein erstes Gebäude in Los Angeles und Frank Lloyd Wright experimentierte mit der japanischen Kunst, Wände verschwinden zu lassen. Für die exzentrische Hausherrin entstand eine Art Maya-Tempel, das Gebäude erinnert in gewissen Zügen schon an den aufkommenden Trend des amerikanischen Ranch-Style-House. Und, da nicht nur Frank Lloyd Wright, sondern auch Rudolph Schindler als Projektleiter mitwirkte, prägte das Hollyhock House auch seine spätere Architekturhandschrift. Das Hollyhock House darf also durchaus als Vorreiter der späteren California-Modernism-Bewegung angesehen werden, die auch Richard Neutra verinnerlichte.16

Aline Barnsdall gab ihrem Haus den Namen „Hollyhock House“ („Stockrose“) schon längst, bevor sie den Entwurf kannte. Es war ihre Lieblingsblume und Frank Lloyd Wright bedachte dies im Fassadenornament und auch in Teilen des Innenraums – sodass das Haus auch tatsächlich seinem Namen gerecht wurde. Frank Lloyd Wright wählte als Fassadenmaterial hohle Lehmziegel, anstatt Beton. Es hat eher kleinere Fenster, ist kaum von außen einsehbar, wie viele von Frank Lloyd Wrights Häusern. Ein zentraler Innenhof galt als Platz für die experimentelle Theaterbühne. Der Innenraum war offen gestaltet. Schon das Foyer hatte nicht die üblichen vier Wände, sodass man nicht zum nächsten Raum geführt wurde, sondern eine freie Wahl seines Weges hatte.

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Doch bereits 1927 wuchsen Aline Barnsdall die Kosten über den Kopf, das Haus sollte um ein vielfaches mehr kosten als geplant, sie feuerte Frank Lloyd Wright und spendete das Hollyhock House der Stadt Los Angeles. Später, in den 30er Jahren zog Aline Barnsdall wieder ein, bis zu ihrem Tod in 1946. Danach wurde das Gelände zum Barnsdall Art Park Complex und das Haus zum Museum.99

In den letzten sechs Jahren wurde das Gebäude geschlossen und für über 4 Millionen Dollar restauriert. Der Kurator des Hollyhock House, Jeffrey Herr, informierte darüber, dass man natürlich diverse Baumängel beseitigt hatte. Aber in erster Linie wurde dem Haus wieder seine exotische und theatralische Anmutung zurückgegeben. Es war in den letzten Jahren etwas „beige“ geworden. Aber nun strahlt es wieder. In der Valentinsnacht war das Hollyhock House für 24 Stunden frei zugänglich. Die Menschen picknickten im Park, um die teilweise bis zu 3 Stunden Wartezeit zu überbrücken. Es zeigt sich, die Menschen sind stolz auf das Architekturerbe mitten in den Hollywood-Hügeln. Zurecht ist es bereits seit 2007 ein National Historic Landmark. Und Anfang 2015 wurde das Hollyhock House sogar von der UNESCO zum Weltkulturerbe nominiert.10

[Bilder von oben nach unten: Bild 1 – 6 (images © Julius Shulman, via: metalocus.es; Bild 7 – 9 + 11: via: latimes.com; Bild 10: via: galleryhip.com]

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