Vertikalwald im Großstadtdschungel

Wohnhaus „Garden and House“ in Tokio von Ryue Nishizawa

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Wie jedes Jahr, wenn Sonnenstrahlen wärmer werden und der Frühling ruft, kann man die Menschen dabei beobachten, wie sie die Balkone ihrer Stadtwohnungen wieder sommertauglich machen. Blumenkästen in allen erdenklichen Farben werden wieder vor die Balkongitter gehängt und die buntesten Blüten stimmen ein auf die Sommerzeit, wenn man wieder bis in die Abendstunden auf dem Balkon die lauen Nächte genießen kann.big_369975_7939_nishizawa

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Ryue Nishizawa zeigt mit seinem Wohngebäude namens „Garden and House“, das 2012 in Tokio fertig gestellt wurde, dass das Leben auf dem Balkon auch Hauptaspekt einer Entwurfsidee sein kann. Die ungewöhnlich grüne Fassade ist das zentrale Element des „Garden and House“ – Ryue Nishizawa schuf für die Bewohner eine Wohlfühloase mit vertikalem Garten über vier Etagen, inmitten dem Großstadtgefüge von Tokio. Nur vier Meter ist das Haus breit, und wie so oft in Tokio, bietet es höchsten Komfort auf minimalstem Raum. Denn es verfügt über lediglich 66 Quadratmeter Platz. Und wie gewohnt verzichtet Nishizawa auf eine deutliche Trennung des Wohnbereichs vom Straßenraum, sondern hält das Haus bewusst offen und transparent. Zur Straße hin gibt es keine wirkliche Fassade, anstatt dessen nutzt Nishizawa Plexiglas mit Vorhängen, die den Bewohnern Schutz bieten vor neugierigen Blicken von Passanten. Auf jeder Etage befindet sich ein kleiner Garten, der mitten ins Haus geholt wird. Und darüber hinaus verbinden die Pflanzen auch noch in die Vertikale über kreisrunde Aussparungen in den Deckenplatten. Das Raumgefüge ist strukturiert und schlicht gestaltet, jedes Geschoss hat eine andere Nutzung. Neben der Erschließung befinden sich der Wohnbereich und die Küche im Erdgeschoss, im ersten Obergeschoss befinden sich ein Schlafzimmer sowie ein Arbeitszimmer. Das Badezimmer ist im zweiten Obergeschoss angeordnet, darüber liegt ein weiteres Schlafzimmer. Alle Etagen werden über eine Wendeltreppe erschlossen, sie führt bis ganz hinauf zur Dachterrasse in der obersten Etage, die neben der Grünfläche noch einen kleinen Raum parat hält für ein weiteres kleines Schlafzimmer oder eine Abstellfläche.

Eins ist klar: Die Besitzer, die nunmehr seit drei Jahren in dem Wohnhaus leben, haben mehr als nur einen grünen Daumen.
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[Fotos: © Iwan Baan]

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Im Fokus

Haus für einen Fotografen von Hyde + Hyde Architects

Bildschirmfoto 2014-04-16 um 22.11.30Die Inszenierung des Augenblicks ist für einen Fotografen das Kernelement seiner Arbeit. Um beim Eigenheim den gestalterischen Ansprüchen des Fotografen gerecht zu werden, entwarfen Hyde + Hyde Architects ein dramatisch inszeniertes Wohngebäude, inmitten einer kleinen Schlucht im Wald. In Pontypridd, am Rande des Brecon Nationalparks in Südwales, besticht der Entwurf durch seine einzigartige Formgebung und fügt sich durch die sensible Materialwahl in die Naturlandschaft aus Mooren, Wiesen und Weiden ein.

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Dramatik bekommt das Gebäude über die lange Auskragung, die regelrecht in der Schlucht zu schweben scheint. Der Aufgang im Betonsockel ist komplett zurückgenommen und verschwindet fast gänzlich für das Auge des Betrachters. Ganz frei möchte das Gebäude jedoch nicht sein und bildet eine kleine Verbindung zum umgebenden Hang über einen schmalen Steg – ein kleiner Arm, der nach Halt sucht.Bildschirmfoto 2014-04-16 um 22.10.41Bildschirmfoto 2014-04-16 um 22.10.25
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Der Wechsel aus ruppigem Cortenstahl, großen Glasflächen und Beton sorgt für ein spannungsvolles Fassadenspiel, das auch mal von kleineren Fensterflächen durchbrochen wird. Wie Rahmen liegen diese in der Außenhülle. Alles dreht sich um die Lenkung des Blicks, die richtige Fokussierung, die ausgewählte Perspektive des Draußen. So kann man sich doch gut vorstellen, wie der Hausherr im Wohnbereich sitzt, durch die große Glasfront den Panoramablick auf die Landschaft genießt und ein walisisches Bergpony weiden sieht. Eine schöne Idee, auch wenn sie bisher noch unverwirklicht ist.

[© Hyde + Hyde Architects, via: archilovers.com]

Die Leichtigkeit des Seins

Symbiose von Shigeru Bans Architektur und Kristian Schullers Modefotografie

ban curtain wall house and kristian schuller fashionDieses Jahr geht die weltweit renommierteste Architekturauszeichnung, der Pritzker Preis, an den japanischen Architekten Shigeru Ban. Den „Oscar der Architektur“ hat er sich redlich verdient, ist er doch seit Jahren bekannt für seinen kreativen Einsatz unkonventioneller Materialien. Er verzichtet ganz auf Wände („Naked House“), verleiht japanischen Einfamilienhäusern sinnbildlich „doppelte“ Dächer oder baut Flüchtingslager aus Papier in Ruanda. Von seinem „Curtain Wall House“ in Tokyo flattern außen liegende Stoffvorhänge, die als Fassade eingesetzt werden und das Geschehen im Gebäude vor fremden Blicken schützt. Alles eine Inszenierung der Leichtigkeit. In der Modefotografie inszenierte Kristian Schuller das Model Nadja Auermann in einer drapierten Stoffrobe mit aufgeplustertem Fallschirm. Davonschweben – in der Architektur und in der Mode.

[Originalbilder: „Curtain Wall House“ von Shigeru Ban, via: openhousebcn.wordpress.com; Nadja Auermann im Editorial „L`Etoile du parachute“, fotografiert von Kristian Schuller, via: vivamodels.wordpress.com. Fotocollage © Angélique Vossnacke]

Building Fashion Fall 2011

Ein Workshop für die architektonische Kreativszene

Building Fashion Fall 2011Architektur und Mode liegen eng beieinander, wie nun auch die „AA (Architectural Association) Visiting School Paris“ in einem Workshop erforschen will. Die Modewelt besteht nicht nur aus schönen Kleidern und einzigartigen Modeaufnahmen, sondern lässt sich auf die verschiedensten experimentellen Architekturtechniken übertragen. Die Mode ist – genau wie die Architektur – einem ständigen Wechsel von Trends unterworfen. In jedem Jahr zeigen die Fashion Weeks und Architekturbiennalen der Metropolen die neusten innovativen Entwicklungen und avantgardistischen Bewegungen. Modedesign und ihre ständigen Veränderungen bewirken auch neue architektonische Heransgehensweisen, jede Mode braucht eine gewisse architektonische Szenografie, um zu wirken.

Im Workshop sollen die Synergien zwischen Mode und Architektur gefördert werden, das Ziel ist die Entwicklung neuer Typologien sowie ein kreativer Umgang mit immanenten und temporären Gestaltkonfigurationen sowie dynamischen und fluidartigen Kompositionen. Architekturstudenten, Berufsanfänger, junge Architekten und alle anderen, die sich in der Kreativszene bewegen, können an dem Workshop vom 31. Oktober bis 10. November 2011 in Paris teilnehmen. Anmeldungen und weitere Informationen auf der Homepage der AA. Die Anmeldefrist ist der 20. Oktober 2011.

[Bild: Courtesy of Architectural Association AA]

Architektur und Comic

Visionäre Lebenswelten

comicarchitectureIn Comics ist alles möglich. Kleine Fabelwesen, Superhelden oder Monster durchlaufen gezeichnete Lebenswelten, die mal visionär utopisch oder detailgetreu real ausfallen. Die Arbeit von Illustratoren und Architekten haben eine Gemeinsamkeit: Am Anfang steht die Idee. Beide Kunstformen entwickeln ein Bild einer Lebenswelt, die später aufskizziert wird – realitätsnah oder realitätsfern.

Die Zeichnung ist nie das getreue Abbild der Realität. Während in der Architektur nicht alles möglich ist, fordert die Comicwelt dazu auf, alle Möglichkeiten der Fantasie zu nutzen. Dennoch sehen wir in den lustigen Geschichten oftmals Szenen, die der Realität entsprungen sind – berühmte Villen großer Architekten, zum Beispiel von John Lautner oder Richard Neutra, werden ebenso originalgetreu skizziert wie ganze Stadträume. Sogar die asiatischen  Mangazeichner lassen ihre Anime-Figuren auf Gondeln durch altbekannte venezianische Wasserstraßen fahren. Comicarchitecturecomicarchitecture

Schon in den 60er Jahren zeichnete die Architektengruppe Archigram sogenannte Archicomics. Von kleinen Wohnkapseln bis hin zur „Walking City“ – New York mit roboterhaften Wohnmaschinen, die sich fortbewegen können – Archigram entwickelte schon vor Jahren Comic-Heftchen mit zukunftsweisenden Wohnwelten, auch wenn diese bisher nicht umgesetzt wurden.

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Bis heute findet die Comiczeichnung ihren Platz in der Architektenwelt. Bjarke Ingels von BIG ist der derzeit wohl bekannteste Vertreter der Archicomics. Seine Entwürfe präsentiert er skizzenhaft, seine Renderings lassen ein fast perfektes Bild des zukünftigen Bauwerks erkennen. Wie Archigram schon in den 60ern, zeigt BIG die zeitgenössische Idee der Wohnmaschine, dessen Begrifflichkeit erstmals von Le Corbusier benutzt wurde. Verdichtetes Wohnen auf engstem Stadtraum. Eine Idee, die sicherlich auch noch in ein paar hundert Jahren ein aktuelles Thema bei den zukünftigen Stadtplanern sein wird – es wäre interessant zu wissen, wie ihre Zeichnungen dann aussehen.comicarchitecture

[Bilder: Bild 1 und 2: Scan aus der A & W, 03/11; Bild 3: Aria4, Tokyopop © Kozue Amano, Bild 4: urban2files.wordpress.com, Bild 5: essential-architecture.com, Bild 6: www.big.dk]

Flickwerk

FlickwerkHaus und Kleid im gleichen Look. Eine gemauerte Finca und eine ähnliche Musterung für den Mantel. Wäre der Mantel auch farblich angepasst an die Natursteinoptik, würde er wahrscheinlich vor der Fassade gar nicht mehr ins Auge fallen. Aber dank lila-pinker Erscheinung ist eine mangelnde Auffälligkeit gar kein Problem.

[Bild: thechicmuse.blogspot.com; Vogue Türkei August 2010]

“Architecture of Dance – New Choreography and Music Festival”

Trikot und Skulptur

Peter Martins MirageBallettkostüm und Tanz-Szenerie als harmonisches Ensemble: Zum 50. Geburtstag des Lincoln Center of the Performing Arts in New York arbeiteten die Choreografen des New York City Ballets mit dem Architekten Santiago Calatrava zusammen. Daraus sind in diesem Sommer wundervolle Bühnendarbietungen unter dem Namen „Architecture of Dance – New Choreography and Music Festival“ entstanden.

Tanz ist Bewegung und das Ballett wird bezeichnet als die feinste Art unter den Künsten. Architektur ist dagegen permanent. Santiago Calatrava versucht aber in jedem seiner Projekte, der Architektur den Anschein einer Bewegung zu verleihen. Seine Bühnenbilder für die verschiedenen Ballettaufführungen bezeichnet er als „Szenografie“. In diesem Beispiel der Aufführung „Mirage“ von Peter Martins hängt Calatravas Skulptur über den Tänzern. Die Linien bestimmen nicht nur das architektonische Gebilde, sondern finden sich auch auf den Trikots der beiden Darsteller. Die Farben sind stimmig: das dramatische Grau und Schwarz erzeugt eine etwas melancholische Stimmung. Die Akteure strecken ihre Beine weit von sich fort – genauso klafft auch die Bühnenkunst auseinander. Die Kostüme sind nur ein Hauch von Kleidung. Eng anliegend, besonders leicht. Der Rock der Ballerina schwingt locker bei jeder Bewegung mit. Genauso wirkt das Bühnenbild. Ein gewichtsloses Etwas, das im Raum schwebt.

[Bild: ©Paul Kolnik]